Kunst oder Geldmache? Theater macht Theater


Mich ärgert einiges ganz gewaltig und das schon seit einer wirklich langen zeit.
Theater war für mich immer etwas ganz besonderes, etwas was sich von der Breiten Medienlandschaft abhebt und auch etwas wagt. Sich mit Themen intensiv beschäftigt und seine Zuschauer erreichen möchte. Dies gelingt natürlich nur, wenn sich die Personen die ein Stück schreiben bzw. es aufführen weis worum es geht. Vielleicht sehe ich das zu verbissen, aber Schauspieler sollten sich doch wenigstens kurz mal hinsetzten und sich mit ihrer Rolle beschäftigen. Es kann doch nicht sein, das man z.B. ein Stück für Jugendliche Aufführt und anbietet sich im nachhinein mit allen zusammen zu setzen um darüber zu diskutieren, obwohl man sich nicht mit dem Stück auseinander gesetzt hat. Wo ist da bitte der Sinn dahinter? Die rede ist vom Stück “Ich knall euch ab” von Morton Rhue, welches im Hamburger Jungend Theater in der Basilika aufgeführt wurde.

Eine Interessante Durchsetzung, auch wenn viel mit Klischees gearbeitet und teilweise zu Modern gestaltet wurde. Was wahrscheinlich “hip” auf die Jugendlichen wirken sollten, eher Verwirrung gestiftet hat, da vieles ganz eindeutig entweder unbekannt war oder falsch dargestellt wurde. Dennoch wurde schnell klar gestellt das man mehr an Verkaufszahlen interessiert ist, statt irgendwas in den Jugendlichen zu bewegen. Da man dieses Stück kurzfristig “eingeschoben” hat, wie später erläutert wurde. Auf die Frage wie sich die Schauspieler auf dieses Gespräch und auf das Stück vorbereitet haben, konnte nur ein wirklich eine Antwort geben. Er hatte sich scheinbar wirklich ein wenig mit dem Thema auseinandergesetzt, alle anderen dafür hatten Klischee behaftete Vorstellungen die sie von den Medien übernommen haben.

Was mich zum eigentlichen Thema bring das ich anschneiden wollte. Es geht um ein Stück über einen gewissen “ResistantX” auch bekannt als “Bastian Bosse” ein ehemaliger Schüler der Geschwister Scholl Gesamtschule in Emsdetten. Besagter Schüler ging vergangenes Jahr am 20. November bewaffnet zur Schule und schoss um sich. Vorab stellte er Tagebücher und Videos online. Besagte Tagebücher dienten der Volksbühne in Berlin als Vorlage. Bis hierhin gibt es von meiner Seite keine einwende. Es ist eine gute Idee Jugendlichen mit Fakten und aktuellen Themen gesellschaftliche Probleme nahe zubringe. Was mich stört ist die Schlamperei die dabei betrieben wurde. Aus “Bastian Bosse” wurde “Sebastian Bosse”, ein klein wenig recherchiert und man kommt schnell auf den Richtigen Namen.

Ist es eine Überreaktion meiner Seite aus? Wohl eher kaum, auch wenn ich leider dieses Stück nicht sehen konnte, da ich erst jetzt davon etwas mitbekommen habe. Eigentlich möchte ich mir überhaupt nicht erst ausmalen was für ein Unsinn noch verzapft wurde… wenn der Herr Lars Norén (oder wer auch immer) nicht einmal in der Lage ist den richtigen Name einer Person zu finden die eine zentrale Figur seines Stückes spielt, wie kann es ihm möglich sein wiederzuspiegeln, was in ihm tatsächlich vorging?

Hier noch ein Link zum besagten Stück: www.volksbuehne-berlin.de

und ein Zitat zum Progamm:

” 20. November on Lars Norén

Schulsysteme scheinen so große Demütigungen, Außenseitertum und die deprimierende Aussicht auf ein kapitalistisches Leben zu produzieren, dass junge Menschen anfangen sich tödlich zu rächen. ResistantX war der Nickname des 18jährigen Sebastian B., bevor er in seiner ehemaligen Schule zum School-Shooter wurde. Lars Norén schrieb einen Monolog für Anne Tismer auf der Grundlage B.s digitalen Vermächtnisses. Am 4. und 5. Juli im 3. Stock mit anschließendem Gespräch

Mit: Anne Tismer

Eine Koproduktion von Théâtre National de Bruxelles, Festival de Liège, Theater an der Ruhr und Stücke 07 – Mülheimer Theatertage NRW.”

Das Angebot ein anschließendes Gespräch zu führen hätte ich Liebend gern angenommen. Zumal mich interessiert hätte wer dieses “Sebastian” eigentlich ist…