Meine Dreizehn – Teil 1


Meine Gedanken drehen sich um diese edle und kräftige Flüssigkeit.
Alles dreht sich um sie. Ohne wäre es nicht möglich zu leben, es ist einfach fantastisch zu beobachten wie sie sich voran bewegt und wenn sie aus ihrer bahn gerät wie sie sich verteilt, jeden Zentimeter für sich einnimmt wie eine Lawine sich den Weg bahnt, man könnte meinen nichts könnte sie stoppen, so Kraftvoll ist sie unterwegs.

Die Farbintensität ist Gott-gleich und wiederum erschreckend wandelbar. Am Anfang strahlt sie mich an, funkelnd rennt sie auf mich zu und versucht mich zu erreichen, mich einzufangen und mich mit ihr eins werden zu lassen. Dann wird sie aber langsamer und das strahlende glitzern das sie so wunderschön macht, wird langsam stumpf. Die Färbung wird dunkler und die Konsistenz ändert sich von flüssig in fest. Bald schon trocken und brüchig liegt ein langer Teppich, mit dieser ehemals edlen Flüssigkeit vor mir. Wie ausgestreckte Finger versuchen sie mich zu erreichen und verlieren in ihren letzten Metern ihre Kraft.

Nach einer weile wird dieser Lange edle Teppich brüchig und platzt an einigen stellen auf. Der noch durchgehend ebene Körper erhebt sich mit einen brüchigen platzen. Eine Kleine Berglandschaft erhebt sich in die Luft welche dann in sich zusammenfällt und am ende mit einem zarten Windhauch davon getragen wird. Vermischt sich mit dem Staub und wird nie mehr zu dem was es vorher war.

Es ist sehr selten, dass ich mir die Zeit lasse, dieses Kunstwerk so intensiv zu beobachten. Meist muss meine Arbeit schnell gehen und dann kann ich es nicht in vollen Zügen genießen. Wobei ich auch kleine Momente habe wo ich durch atmen muss, und in diesen bemerke ich wie diese so edle Flüssigkeit meine Hände und Unterarme herunter rinnt. Den prachtvollen Glanz dieses einmaligen Stoffes erkennt man sogar noch im Mondschein, die Farbe jedoch ändert sich und wird zu einem tiefen und fast endlos dunklen Schwarz. Ich genieße es wie es meine Hand einnimmt und die wärme die sie abgibt, die langsam abkühlt und dann schon fast eisig auf meiner Haut ist. Das sind immer nur Buchteile, Momente an denen ich meine Liste abarbeiten muss und keine Zeit vergeuden darf. Ich darf keine Fehler machen! Diesen Druck habe ich auf meinen Schultern lasten und daher sind es auch nur Millisekunden die mich in Freude hüllen. Doch wenn ich einen Fehler mache, werden mir nicht einmal diese mehr bleiben. Daher spute ich mich um auch alle teile fein säuberlich abzutrennen und auch aufzupassen das sogar der winzigste tropfen dieses Kostbaren Saftes nicht übersehen wird. Nachts ist es besonders schwer, da sich das schwarz nur durch seinen Glanz von der anderen Materie unterscheidet.

Wenn die Arbeit vorüber ist und ich dann einen Augenblick durch atmen kann, merke ich noch leichte Rückstände an meinen Händen… auch wenn mir bewusst ist das es ein Wagnis ist… warte ich immer eine weile bevor ich mich völlig säubere. Ich schließe meine Augen und Atme diesen wunderschönen Geruch ein. Wie eine Melodie so harmonisch ist dieser Geruch, ja er gleitet in meine Nase und dann in meine Lungen und verteilt sich als wohlig warmes Gefühl in mir.

Normalerweise läuft es sehr schnell ab, heute lasse ich mir Zeit… da ich nicht mehr lange haben werde bis mein Spiel sein ende findet. Dieses mal war es auch ein ganz besonderes Event, da es mein 13tes war. Oh ja 13 es zergeht wie Schokolade auf der Zunge. Und genau so wollte ich es haben. Langsam jeden Moment wollte ich auskosten. Alles vollkommen und das erste Mal so richtig miterleben. Ohne die Zeit im Nacken zu haben oder die prickelnde Angst zu spüren, gesehen zu werden. Dieses mal war es wie in diesen Zen-Gärten, einfach Harmonische Schwingungen die von einer bahn zur nächsten getragen werden.

Ich hocke vor diesem Prachtvollen Ausblick und kann mein Glück nicht fassen. Mein Atem ist langsam aber bestimmt. Ich breite die Arme aus um die Energie die von diesem wunderschönen Bild ausgestrahlt wird einzufangen und in mich einzusaugen. Ich reiße meinen Kopf in den Nacken und schließe meine Augen. Mein Körper reagiert auf jeden Windhauch und ein kribbeln auf meiner Haut breitet sich aus, welches zu einem Schauer wird. Ich Reiße meine Augen auf uns sehe mein Werk.

Es ist wundervoll, da jede Linie die ich sorgfältig mit dem Messer positioniert habe auf dieser reinen Weißen Haut seinen vorgesehenen Platz findet. Dann als alle Schnitte Frisch geschnitten waren, und sich mein kostbarer Saft den Weg bahnte. Dann erst wusste ich wieder warum ich das hier tue! Dieser Anblick ist jedes Risiko wert gewesen. Die Monatelange Planung das ausspähen und die Stundenlangen Videoaufzeichnungen die ich mir anschauen musste um, wirklich jedes Detail zu kennen. Damit auch nichts Unvorhergesehenes auf mich zu kommt. Es war die mühe wert.

Man könnte es ein Wunder nennen, da ich nie wirklich großartig auf der Suche sein musste um mir jemanden zu suchen. Ich beendete meist eine Arbeit, diese schenkt mir dann den Innerlichen Frieden den ich gesucht habe, um mich dann auf andere Dinge konzentrieren zu können. Wenn dann die Erinnerung langsam verblasst und ich mich kaum noch an den Duft Erinnern kann, kommt mir aus Heiteren Himmel ein weiteres Projekt in die Arme gelaufen. Dieses mal war es ein Zeichen, das war mir bewusst. Auch wenn ich es anfangs versucht habe es zu verdrängen, ich wusste, dass es dieses mal etwas ganz besonderes sein würde.

Eines Morgens stand ich auf und machte mich fertig um meinen Morgendlichen Lauf zu beginnen. Ich fing an mich warm zu machen und lief dann auch recht zügig los. Ich wohne ein wenig Außerhalb der Stadt, dennoch würde ich es nicht Ländlich nennen. Die Mieten waren hier nicht sonderlich hoch somit konnte ich mir locker ein ganzes Haus mieten. Für mich ganz alleine. Ausserdem hatte ich einen relativ Großen Garten, welchen ich gut Pflegte. Die Morgendliche Stille an einem Wochentag liebe ich. Die Vögel die in den Ästen ihre Nester bauen und mit ihren Rufen mich in meinen Tag begleiteten, waren für mich das ultimative Erlebnis.

Ich lebe alleine, das bedeutet aber nicht das Ich einsam bin. Ich fühle mich nicht Einsam, auch wenn das viele denken würden. Mir ist es egal ob ich jemanden um mich habe oder nicht. Mir ist es aber lieber alleine zu sein, dann weiß ich woran ich bin, keine lügen oder Ausflüchte die ich mir anhören muss. Das habe ich hinter mir gelassen. Jetzt kann ich sagen, das ich mit mir und allem um mich herum im Klaren bin. Ich habe alles im Griff.

Wie dem auch sei, an diesem Morgen rannte ich meinen gewohnten Weg, in den Wald und wieder heraus, über die Straße und über eine kleine Parkanlage, wo ich mir meist eine kleine Pause gönnte um mir etwas zu trinken zu holen. Ich schnappte mir eine kleine Flasche Wasser, bezahlte und ging hinaus. Die Sonne schien mir ins Gesicht, und mein Schweiß ran mir von der Stirn runter auf die Wangen bis zum Kinn. Ich öffnete die kühle Flasche, schloss die Augen und kippte mir das kühle Nass über den Kopf. Ich wischte mir mit der Hand über das Gesicht und trank den Rest aus der Flasche. In diesem Moment sah ich es. Auf einer Parkbank vertieft in ein Buch sitzen. Es war mir zwar noch nicht bewusst aber mir war irgendwie klar das ich vor meiner Nase ein ganz spezielles Projekt hatte. Ich Warf die Flasche weg und machte mich langsam auf den Weg zur Parkbank. Es war ein wundervoller Morgen, das Schattenspiel welches die Sonne mit den Bäumen spielte war Sensationell und hüllte die Parkbank sozusagen ein. Ich setzte mich vorsichtig und Atmete die Angenehme Luft ein. Es war wundervoll hier zu sitzen. Und sich einfach zu entspannen.

Natürlich spähte ich es während ich mich auf dem Weg zur Parkbank machte aus. Die Körperform, die Atmung, die Haare, die Augen alles war perfekt. Keine Narben oder Unreinheiten zeichneten die Körperlandschaft. Keine Verfärbungen oder Muttermale waren zu sehen. Das war es was sich suchte. Wie ein Reines Blatt Papier. Wundervoll! Ich wusste nichts Über es konnte aber einige wichtige Details aufschnappen. Kein Mobiltelefon, also war eine längere Abwesenheit ohne Lebenszeichen nichts Besonderes. Grandios! Dachte ich mir als mir dann noch auffiel das nicht einmal ein Zeitmesser vorhanden war. Jackpot, dachte ich nur. Es hatte ein Buch in der Hand, das ich schon einmal gelesen hatte. Guter Geschmack, somit konnte ich einen ersten Kontakt aufbauen. Auch wenn dieser sich nur sehr schleppend voran bewegte. Nach wenigen Worten verabschiedete ich mich und lief zurück nach hause. Ich wusste das ich mein nächstes Projekt gefunden hatte. Es musste nun alles sehr genau geplant werden. Mir war natürlich klar das ich es die nächsten Tage sicherlich nicht am selben Platz vorfinden werde. Daher wartete ich, bis ich es dann 2 Wochen später zufällig in einer Bücherhandlung antraf. Nun wusste ich, es muss alles sehr unauffällig weiter gehen. Ich positionierte mich in einer Entfernung die es mir ermöglichte es unauffällig zu beobachten und nachzulaufen. Ich folgte es bis zur Eingangstür. Ein Vierstöckiges Haus immer noch Anonym genug um nicht aufzufallen.

Fortsetzung Folgt..