Nacktheit Prüderie die große Bedrohung!


Als erstes der große Skandal: WIR WERDEN ALLE NACKT GEBOREN!
So nun empört euch! Ach, war diese Tatsache schon vorher bekannt? Gut! Oder wohl eher nicht. Denn in unserer Westlichen Gesellschaft steht Nacktheit nicht als Norm, sondern eher als Konfrontation, Provokation, Skandal oder sogar Terrorismus. Aber wir sind doch nicht wie die Araber die ihre Frauen verhüllen und jede Andeutung von Nacktheit skandalisieren!

Naja nicht ganz. Fakt ist, obwohl wir täglich in der Werbung, auf den Strassen, Magazinen oder im Fernsehen mit angedeuteten oder offensichtlichen Nackten Körper konfrontiert wird, setzt sich keinerlei “Normalität” ein. Viel mehr scheint es sogar noch Provokanter zu sein. Aber warum?

Wenn wir uns das Beispiel USA anschauen oder das sogenannte “Nippelgate” stellen wir immer wieder fest wie “schlimm” ein Nackter Körper in der Öffentlichkeit ist. Doch ganz so weit muss man gar nicht reisen um festzustellen wie “schlimm” es doch ist Nackt in der Öffentlichkeit zu sein. Wenn man kurz googlet stösst man auf folgenden Artikel: “Mann stieg nackt in einen Bus“. Ein Scherz oder? Nein, eine Innere Stimme habe ihm befohlen NACKT durch die Stadt zu laufen. Schnell in die Psychiatrie mit dem Mann! Kann ja wohl nicht sein! Wirklich? Nun es mag sein das dieser junge Mann nicht ganz bei sich war und dieses Beispiel nicht in einer Großstadt spielt, dennoch wird hier impliziert: Wer Nackt in der Öffentlichkeit ist, mit dem Stimmt etwas nicht!

Das sind alles keine Einzelfälle. Ich werde jetzt nicht alle Artikel zu diesem Thema raussuchen, es reicht auch in einer Suchmachine folgendes einzugeben: “nackter Jogger” und man findet ganz viele Beispiele, wie sehr Nacktheit Kriminalisiert wird.

Es wäre ganz gut mal zu schauen, warum wir uns eigentlich so schämen Nackt zu sein. Wir haben festgestellt dass wir ohne Bekleidung auf die Welt kommen (SKANDAL). In den ersten Jahren sind wir viel mehr damit beschäftigt das sprechen, laufen und unseren Körper kennen zu lernen, bevor wir dann mit ca. 2/3 Jahren anfangen etwas wie Schamgefühl zu entwickeln. Laut Erikson tritt das Schamgefühl in der analen Phase eines Menschen auf: “Scham tritt hier in Gegensatz zum Stolz über gemeisterte Entwicklungsschritte”. Demnach ist es etwas Gesellschaftliches, es steckt nicht in uns drinnen. In Ländern in denen es Naturvölker gibt die Nackt leben und nur, wenn überhaupt, die Geschlechtsteile verbergen. Nacktheit ist dort normal, dennoch wird auch dort ein anstarren von Genitalien oder Brüsten als Tabu gesehen und Gesellschaftlich verachtet.

Kleidung soll nicht nur wärmen sondern auch schützen. Natürlich schützt man sich hier nicht nur vor Kälte oder übermäßiger Wärme, sondern auch vor übergriffen. Denn als Sexuelle und teilweise triebgesteuerte Lebewesen, sind sexuelle Stimulationen dafür vorgesehen die Fortpflanzung zu stimulieren und somit das bestehen einer Gattung zu erhalten. Dies ist alles Verständlich und auch nachvollziehbar.

Dennoch wird Nacktheit in unserer Gesellschaft etwas eigenartig behandelt. Geht man zum Beispiel in eine Sauna, sitzt man Nackt auf einem Handtuch und schwitzt. Sobald man diesen kleinen Raum aber verlässt, wird von vielen das Handtuch schnell um den Körper geschlungen damit man sich nicht komplett entblößt. In der Dusche wird es dann erneut abgelegt.

Als Jugendlicher verändert sich der Körper und man hat die permanente Befürchtung, das man nicht “richtig” gebaut ist. Größe spielt eine Rolle, oder die Angst als Homosexuell zu gelten, wenn man durch kleine Stimulation eine Erektion bekommt. Diese Angst das Gesicht zu verlieren, wie man es so schön in den Asiatischen Ländern sagt, spielt eine sehr große Rolle in einer Gesellschaft.

Nur ein fehltritt und die Soziale Ächtung steht einem bevor. In der Pubertät ist dies die Hauptangst die einen umgibt.

Nun wissen wir, das jede Körperliche Entwicklung, Veränderung und Reaktionen des Körpers gewollt und normal ist. Warum gibt es also ein Problem. Das Problem ist nicht die normale Scham die uns umgibt, auch nicht das wir als Gesellschaft beschlossen haben nicht ständig überall Nackt zu sein. Unser Problem ist die Krankhafte Entwicklung des Schamgefühls oder auf Prüderie genannt.

Momentan oder eher mal wieder, wird darüber diskutiert, ob und wann und vor allem worüber Kinder in der Schule aufgeklärt werden sollen. Wir wissen schon längst, wer aufgeklärt ist hat keine Angst. Wer Angst vor etwas hat, benimmt sich nicht “normal”. Ängste gegen Minderheiten wie Homosexuelle, Transpersonen und anderen natürlichen Entwicklungen eines Menschen, sind wenig hilfreich, weshalb Kinder früh an die Hand genommen werden müssen und für sie verständlich gemacht werden sollte, das egal was oder wer sie sind, sie keine Angst haben sollten.

Nun gibt es aber Gegenbewegungen, natürlich wie sollte es sein Christlich radikal angehauchte Gruppierungen, die eine weitere Aufklärung, die zu mehr Toleranz und Akzeptanz von Minderheiten führen könnten verhindern wollen. Sie gehen auf die Strasse und versuchen eine “frühzeitige sexualisierung” ihrer Kinder zu verhindern. Das Kinder aber von Geburt an sexuelle Wesen sind und man dies nicht einfach verschweigen kann oder sollte, ist eher zweitrangig. Hier wird die Prüderie der Erwachsenen in den Vordergrund gestellt. Das eine Sexuelle Aufklärung auch hilfreich ist, Jugendliche vor ungewollter Schwangerschaften, Krankheiten und übergriffen zu schützen, steht nicht auf dem Zettel. Nein hier steht das Kind nicht im Mittelpunkt, das wohl des Kindes sowieso nicht. Hier empören sich verängstliche Menschen, die ihre Kinder als Grund vorschieben, ihre unaufgeklärte und krankhafte Scham in die Öffentlichkeit zu zerren.

Dieser Protest gegen die Aufklärung sollte für die Öffentlichkeit nur eines bedeuten: Wir brauchen noch mehr Aufklärung und zwar für Kinder und für Erwachsene!