Soylent, oder wie ich aufhörte zu essen.


Essen ist ein großes Thema. Jeder hat seine eigenen Theorien und Tips, jeder hat eine Meinung und natürlich weiß jeder besser Bescheid was dem Körper gut tut, was nicht. Nachdem ich vor Jahren mein Essen auf Vegan, dann auf Vegetarisch und zum Schluss erneut auf Vegan umgestellt habe. Bin ich mir sicher das so einiges möglich ist. Man kann wirklich gut und sogar günstig Vegan essen. Doch essen kostet zeit.  Die Vorbereitung, die Zubereitung und natürlich vorab sich darüber klar werden, was man denn essen möchte. Der Preis je nach Gericht und je nach Zubereitung schwankt sehr. Essen sollte, wie ich finde, nie ein Preisproblem sein. Man kann immer gut essen. Das muss nicht teuer sein und vor allem muss es kein Fastfood sein. Denn Fastfood kommt einen immer teurer, auf lange Sicht gesehen.

Wenn ich Heim komme, ist mein erster weg natürlich in die Küche. Falls ich nicht alle nötigen Lebensmittel vorrätig habe, wird noch ein kurzer Abstecher zum Supermarkt gemacht. Doch eins steht meist fest. Essen kommt oben auf die liste der wichtigen Dinge für den restlichen Tag. Später kochen bringt einen häufig in die Situation evtl. doch den Lieferdienst zu bestellen. Das möchte ich natürlich verhindern. Auch wenn wir einen guten Veganen Lieferdienst um die Ecke haben ;).

Nun all das dauert natürlich alles etwas. Wenn ich für mehrere Tage vorkoche und haltbar mache, dauert er die darauf folgenden Tage natürlich nicht mehr so lang, Höchstens das warm machen. Aber der Zeitfaktor spielt eine sehr Große Rolle. Wenn man arbeiten geht, also vom Montag bis Freitag eine bestimmte Anzahl von Stunden im Büro verbringt, Mittags  und Abends warm isst hat man deutlich weniger zeit um Mittags noch etwas auszuspannen. Natürlich kann ein Mittagessen mit Kollegen auch entspannt sein. Dennoch der Körper arbeitet und verdaut. Nach dem Essen möchte man sich am liebsten erstmal hinlegen und schlafen. Die Produktivität lässt ebenso deutlich nach.

An dieser Stelle kommt “Soylent” ins Spiel. Um es kurz zu erklären, Soylent ersetzt die komplette Ernährung. Im Grunde ist es ein Shake den man den Tag hindurch trinkt. Den Geschmack kann man mit Flüssigen Pfannkuchen vergleichen, aber auch nicht wirklich. Durch Zusatzstoffe kann man diesen noch etwas aufpeppen. Der Große Vorteil ist die zeit. Man muss weder kochen, noch irgendwo anstehen um sein essen zu bestellen. Der Suppenkoma Effekt bleibt aus und man ist nie hungrig. Im Grunde eines meiner Kindheitsträume die wahr werden. Wer hat es nicht gehasst, mitten im Spiel mit den Nachbarskids auf dem Höhepunkt des Spasses rein gerufen zu werden. Ich hab darunter gelitten. Schon aus dem Grund und da ich eh sehr ungern gegessen habe, wünschte ich mir eine alternative. Dennoch das Hungergefühl blieb und dagegen muss gegessen werden.

Als Soylent angekündigt wurde, war ich ganz begeistert. Konnte mir aber nicht vorstellen wie es schmecken könnte. Leider, muss man sagen, ist das Produkt vorerst nur in den USA bestellbar und dort so sehr begehrt dass die Wartezeiten bis zu einem halben Jahr gehen. Dennoch gibt es von den Machern eine alternative. Under diy.soylent.me ist es möglich sich selbst Soylent zu generieren und somit in den Genuss zu kommen.

Nachdem ich ein Jahr gewartet hatte und es sich nicht so anfühlte als würde die Lieferung in den nächsten Wochen auf der Matte liegen, ging ich den diy weg. Ich stöberte die vorhandenen Rezepte von anderen Usern durch und bastelte mir über Tage hindurch, den Shake der für meine Bedürfnisse am besten passen sollte. Die Stoffe welche ich zum mischen brauchte, sammelte ich dann zusammen und dann ging es auch schon los. Ich besorgte mir noch zwei Blender Blottles über die ich gelesen habe dass sie ideal für Soylent wären und mischte darauf los.

Das erste mal sass ich gefühlt eine Ewigkeit um alle Zutaten zusammen zukippen. Doch umso häufiger ich das machte umso schneller ging es mir von der Hand. Ich füllte schon fertige Pulver mixe ab, damit ich die Woche auch stressfrei Soylent geniessen konnte. Über Nacht bleibt der fertige Mix im Kühlschrank und kann am Folgetag konsumiert werden.

Die ersten Tage waren erstaunlich einfach. Zwei jeweils ca 600ml Soylent reichten für einen Tag aus. Das Hungergefühl blieb aus. Die Zeit die ich gewonnen hatte und die Produktivitätssteigerung war wirklich spürbar. Ich hinterfragte mich den ganze Tag. Hab ich hunger? Nein? ok, sauber!

Nun ist essen natürlich nicht nur Energiezufuhr, sondern auch Genussmittel. Alleine, mit Freunden oder Kollegen zusammen zu sitzen, lecker zu essen ist einfach ein Genuss. Soylent ist ausgelegt das essen komplett zu ersetzten. Es hat sogar potential den Hunger auf der Welt zu stillen. Da sich das Pulver lange hält und die Transport und Herstellungskosten so minimal sind, kann das die Zukunft sein. Kann!

Genau bei dem “kann” möchte ich jetzt weiter ansetzten. In einigen Foren und auch auf der Soylent Seite wird empfohlen wenn man komplett auf Soylent umsteigt, viel Kaugummi zu kauen. Da man ansonsten mit Kieferschmerzen rechnen muss. Dies ist nicht der einzige nachteil. Zwar hat man keinen Hunger, aber so ein Leckeres Gericht riecht nun mal sehr gut.

Weshalb ich beschloss nur noch halbtags unter der Woche auf Soylent umzusteigen. Ein Soylent mix reicht dann zwei Tage und am Abend sowie am Wochenende kann ich leckeres essen genießen.

Ich war skeptisch, nicht nur ob ich mein Hungergefühl in den Griff bekommen würde, sondern ob ich Tagsüber flüssiges essen genießen kann. Aber ja es geht. Es geht sogar erschreckend gut. Dennoch muss man abwiegen ob so eine Ernährung tatsächlich als “Gesund” gelten kann. Ich werde es eine weile weiter testen, aber ein kompletter Verzicht aufs Essen kommt für mich nicht in frage. Dennoch habe ich eine gute alternative gefunden, wenn ich mal in eine Situation kommen wo es mir nicht möglich ist Vegan zu essen. Bzw. ich die Zeit einfach nicht einräumen möchte. Der beste Effekt ist, normales Essen schmeckt doppelt so lecker ;)