Podcasten und die irrationalen Ängste


Es ist jetzt über ein Jahr her, als ich den Mumpitz & Glitzer Podcast ins leben gerufen habe. Nachdem ich jahrelang täglich Podcasts konsumiert habe und mir immer irgendwie etwas fehlte, setzte ich mich intensiv mit der Technik auseinander. Der Einstieg in die Audiowelt war schon eine etwas größere Hürde. Einerseits, da die meisten Podcaster, mehr oder weniger im esoterischen Modus an das Thema Micro ran gehen. Andererseits meine Hemmung  zu sprechen. Trotz einiger “Auftritte” (würde man es so nennen?), vor Publikum in einigen Interview Situationen ist es nach wie vor sehr ungewohnt für mich.

Als aussenstehender schlackern einem erst einmal die Ohren,  wenn man sich Micro Preise anschaut. Natürlich sagt man sich, es ist eine Investition in einen guten klang, dennoch ist man ja auch nicht sicher ob sich dieses Hobby länger hält, oder ob es überhaupt das richtige ist. Daher muss erst einmal was erschwingliches her.  Für mich war es dann das Samson Meteor  da es vom aussehen, als auch vom sound und der Portabilität her am besten passte.

Technik und ihre Tücken

Mein Vorteil war natürlich nicht der erste zu sein. Somit wurde einem dank der Vorarbeit anderer Podcaster und deren simplen Erklärungen, vieles einfacher gemacht. Nun, einfacher bedeutet nicht das es ohne Komplikationen von statten geht. Schon alleine das aufnehmen der Skype Verbindung und das die Gegenstelle mich gut hört, war schon ab und an ein Drama in 4 Akten. Die ersten aufnahmen waren an teilweise stunden Vorarbeit gekoppelt, bis alles mehr oder weniger stabil lief. Bis man endlich die Konfiguration gefunden hat, die einem die Möglichkeit gab sich mehr auf die inhaltlichen Themen zu besinnen, dauerte es einige Sendungen. Dennoch, auch jetzt, vor jeder Aufnahme und vor allem wenn Gäste im Mittelpunkt stehen, die ich in “FAB PEEPS” begrüßen kann, sitze ich mit bangen vor der Technik. Von heut auf morgen geht die Konfiguration nicht und ich hoffe es noch zeitig zum laufen zu bekommen. Mit der Zeit wird es routinierter und auch Fehler lassen sich jetzt etwas einfacher glatt bügeln, aber ganz verschwinden werden Sie wohl nicht. Mit schlechten Skype Sound, Übersteuerung oder Leitungsabbrüchen muss man wohl leben. Davon zu hören, das war von Anfang an mein Ansporn, soll so wenig wie möglich beim Hörer sein.

Ansprüche

Als langjähriger Podcast Hörer, kann ich es nicht ertragen, wenn technische Fehler in einem Podcast, die Podcaster aus dem Gespräch werfen. Das gilt dann nicht nur für die Podcaster selbst, sondern auch der Hörer schweift dann mit den Gedanken ab. Interessante Themen werden gestört durch Leitungsabbrüche und Fehler in Konfigurationen. Der Vorteil am nicht live hören, der finale Podcast kann diese schwächen einfach entfernen. Das Ursprungsthema kann weiter besprochen werden. Seltsamer weise gilt das nicht für Deutsche Podcaster. Auch wenn es ein Technik Podcast ist, muss man die halbe Sendung so abschweifen und sich immer wieder darüber unterhalten wie schlecht es bei der Aufnahme gerade läuft? Ich denke nicht! Natürlich ist/kann Perfektion langweilig (sein) und Professionellere Formate haben andere Aspekte die eventuell störend sein könnten (Werbung, zu kurze Sendungen), dennoch sollte der Hörer nicht jedes mal die selben Probleme mitbekommen. Ess- und Trinkgeräusche, fallen unter anderem zu den Dingen die ich unfassbar anstrengend und teilweise eklig finde (Ok, das wird ein kleiner Rant stelle ich fest). Essen und trinken sind keine Atmosphärische Begleitung einer Podcast Sendung! Nur um es nochmal klar zu stellen. Es ist im realem leben schon nicht schön wenn jemand einem ins Ohr schmatzt, warum glauben Deutsche Podcaster dies wäre im Podcast anders?  Und wenn dies mal der Fall sein sollte, hat man nicht auch als Herausgeber einer Sendung, den Anspruch diese Geräusche raus zu schneiden?

Dinge die versprochen werden ala “das schneide ich raus” und dann bleibt es trotzdem in der Folge, möchte ich nicht! Zu hören vor allem bei denen die keine Nachbearbeitung machen und sich auf die gute arbeit des Shownot.es Teams verlassen. An dem Punkt verliert man zwar keine langjährigen Hörer, aber wie wirkt das auf Menschen die diese Sendung das erste mal hören? Punkte die ich von Anfang an verhindern wollte. Ich stelle an mich den Anspruch, die eigene Folge selbst erneut hören zu wollen. Abgesehen davon, das ich bei der Sendung dabei bin, höre ich eine Folge mindestens 1 bis 2 mal nach. Das ist selbstverständlich, wie ich finde. Ebenso wie Folgen, die einfach nicht veröffentlicht werden, weil sie einfach qualitativ oder inhaltlich total unrund sind. Alles was nicht in der Nachbearbeitung repariert werden kann, wird abgewogen oder einfach nicht veröffentlicht. Die Ausrede keine Zeit für Nachbearbeitung zu haben, ist keine akzeptable, dann lieber erst garnicht aufnehmen! Gleiches gilt auch für Shownotes die ich im Nachgang einfüge. Aber dazu weiter unten mehr. Jeder Hörer soll soweit mir möglich, das momentan rundeste bekommen was raus fallen kann. Perfekt ist das um längen nicht!

Schnitte

Ich schneide viel, sehr viel! Kaum eine Sendung die keinen Versprecher, oder ein Störgeräusch hat, welches ich nicht rausschneiden muss. Dies kann sogar soweit gehen, das ich die Pausen, in dem jemand gerade nicht spricht, komplett rausschneide und mögliche Ablenkungen vom gesprochenen zu beseitigen. Sogar zu lange Pausen werden gekürzt. Auch wenn es von vielen die Theorie gibt, dass kurze Pausen wichtig sind (Ja, das gebe ich zu!). Dennoch sind sie für mich einfach störend. Ebenso Lückenfüller wie “ähm”oder “öhm” nehme ich nicht einfach hin. Es gibt situationen da lasse ich es drin, aber meist werden diese raus geschnitten. Der Sprachfluss leidet nicht darunter, eher im Gegenteil. Dies ist viel arbeit, aber das Ergebnis ist mir wichtig.

Shownotes

Wenn ich einen Podcast höre und mich etwas interessiert, gehe ich sofort in die Shownotes und klicke mich durch. Das habe ich so lieben gelernt, dass ich ohne, keinen Podcast mehr hören mag. Amerikanische Podcaster legen da keinen wert drauf. Was extrem ärgerlich ist, wenn man mal nicht genau verstanden hat worüber die Person spricht oder man mehr erfahren will, aber nicht weiss wie es geschrieben wird. Im Nachhinein erleichtert es einem auch nach Dingen zu suchen um verweise auf alte Folgen zu tätigen. Zu dem ist es schöner als einen Link im podcast zu diktieren. Was für den Sprecher und Hörer einfach unschön sein kann.

Sprache

Als jemand der überwiegend am Tag nur liest, ist es eine Herausforderung 1-3 Stunden am Stück zu sprechen. Vor allem wenn Wörter die man oft gelesen hat, das erste mal laut ausgesprochen werden. Von Anglizismen mal ganz zu schweigen. Auch Namen stellen da eine Fallgrube dar. Natürlich ist da auch die Frage, wie höre ich mich an? Wie reagieren andere auf meine Stimme? Macht das überhaupt Sinn, wie ich dieses Thema angefangen habe zu erläutern? Zweifel die dann hoch kochen und Irrationale Ängste die einher gehen und die Frage aufwerfen: was soll das alles eigentlich?

Irrationale Angst

Es ist schon eigenartig, wie viele Ängste in einem hoch kochen können, wenn diese erstmalig auf der Bildfläche erscheinen. Angefangen von der Frage “Wie klinge ich?”, zu “Klingt das nicht gerade dumm?”, oder “Was ist wenn man dies Falsch versteht?”. Ein Paar Sätze reichen, die einen ins grübeln bringen. Wenn diese mal über Bord geworfen sind, kommen andere hinzu. Wenn ich bei Personen Anfrage die ich gerne im FAB PEEPS Format sprechen möchte, kommen erneut welche hoch. “Warum sollte überhaupt irgendjemand mit mir eine Folge aufnehmen wollen?” Freunde und Bekannte machen das weil Sie einen kennen und Vertrauen. Aber Fremde? In Mumpitz & Glitzer, sprechen Daniel und ich sehr frei von der Leber weg. Wenn man das hört, irritiert es dann nicht etwas? Immerhin soll FAB PEEPS vom Format her “seriöserererer” wirken. Menschen und ihre Geschichten sollen hier ernst genommen werden. Und wer bin ich eigentlich mich zu erdreisten, jemand eine Anfrage zu stellen? Vor allem wenn die Person schon mehrere Tausend Follower hat und ich nur Gefühlte 5.

Diesen inneren Monolog könnte ich bis ins unendliche weiter führen. Um ehrlich zu sein, ja ich tue es jedes mal. Bei jedem Tweet, jeder Folge, jedem Post. So what? Mittlerweile, wenn ich an dem Punkt komme und anfange mich zu hinterfragen, tue ich es einfach. Wenn eine Absage kommt, reisst es mich zwar 100 km in eine Schlucht aus Selbstzweifel, aber diese überwinde ich einfach. Man kann ja niemanden zu seinen Glück zwingen ;).

Zuverlässigkeit

Eine Sache musste ich sehr hart lernen. Und ja! Ich muss sagen, dies hat mich schon sehr überrascht. Also zumindest die Art und Weise wie ich, damit umgehe. Ich verlasse mich auch sonst auf niemanden, und wenn werde ich Enttäuscht, zumindest überwiegend. Daher vermeide ich es.

Wenn man sich daran gewöhnt hat, einen Podcast im gleichen Rhythmus zu hören und dieser bleibt aus, kommt die Enttäuschung hoch. Weshalb ich mir immer vorgenommen habe Regelmäßig zu veröffentlichen, sowie offen und klar nach aussen zu kommunizieren. Pausen oder Intervallwechsel immer vorher anzukündigen und auf Fragen zu antworten. Nichts ist unsympathischer als festzustellen, jemand ist auf Twitter aktiv, aber reagiert auf  Replys von einem nicht. Ich denkt zwangsläufig “Arrogantes Arschloch!”. Natürlich kann es sein, dass ein Reply einfach übersehen wird. Was bei mehreren Tausend Follower halt passieren kann. Die Enttäuschung ist dann aber dennoch vorhanden. Dann soll man sich eben einen “Social Media Manager” *lautlach* zur Seite stellen! :D. Wie dem auch sei, absprachen mit Anderen sind immer heikel, nicht jeder ist zuverlässig oder kommuniziert so. Daher war es mir immer wichtig darauf zu achten. Wenn was dazwischen kommt, dann sagt man eben bescheid. Eiertanz ist immer ärgerlich! Die Wahrheit ist auch wenn Sie weh tut, meist besser als alleine ohne Rückmeldung im Raum zu stehen. Man kann dann zumindest damit arbeiten. Nun ja, da ich ja weiss: “bloss nicht auf andere Verlassen!”, produziere ich im vor raus. Das hat natürlich eine weile gedauert bis ich soweit war, aber jetzt kann ich min eine Folge für das nächste halbe Jahr vorweisen und kann etwas entspannter daran gehen.  Das beruhigt mich etwas und nimmt mir etwas den druck.

Die “Warum?” Frage

Puh, etwas das ich mir bei jedem Schnittmarathon und jedem Stressigen Aufnahmetag stelle. Warum tue ich das eigentlich? Muss ich unbedingt meine Stimme in die Welt pusten und lohnt es sich überhaupt? Hört doch eh niemand! So viel arbeit, so viel zu organisieren und vorzubereiten. Das Finanzielle mal ganz abgesehen.

Aber die Frage nach dem Warum?, habe ich mir eigentlich schon vorab und auch in diesem Beitrag beantwortet. Weil es Spass macht! Ich habe unfassbar viele schöne Gespräche mit Daniel geführt. On und Off air. Ich lerne durch den Podcast neue Menschen kennen und sogar ihre Geschichten. Überwinde mich mehr zu sprechen und spreche Menschen an. Und wenn nur die Handvoll Hörer da draussen, Spass haben uns zuzuhören oder bei unseren Gesprächen etwas mitnehmen, dann hat es sich für mich mehr als gelohnt.

An dieser Stelle noch ein Dankeschön, für all das Feedback und die Unterstützung die wir von unseren Hörern bekommen haben <3